Liebfrauenkirche zu Sehlde – St. Johanniskirche



1. Kirche: Allgemein und Kirchenname

2. Außenansicht

3. Innenansicht

3.1 Sanierung des Kircheninnenraumes

3.2 Weihekreuze

4. Kanzelaltar

4.1 Altar

4.1.1 Altarbibelpult

4.2 Kanzelkorb

4.3 Mensa mit der Sakristei

4.4 Abendmahlbild

5. Taufstein

5.1 Taufschale

6. Empore

7. Orgel

8. Kronleuchter

9. Opferstöcke

10. Heizung

11. Glocken

12. Kirchengemeinde

13. Quellen

14. Verfasser


1. Kirche: Allgemein und Kirchenname

In den Jahren vor 1980 taucht in kirchlichen Dokumenten mal der eine und mal der andere Name auf. Es scheint, dass der Wechsel des Namens immer mit einem Pastorenwechsel einherging, wobei die Pastoren jeweils auf andere ältere Dokumente zurückgriffen.

Laut ev.-luth. Landeskirchlichem Archiv Hannover wird das Patrozinium der Kirche in Sehlde im Gemeindeverzeichnis der Landeskirche von 1959 mit “Liebfrauenkirche“ angegeben. Die Gemeindeakten des Landeskirchenamtes geben keinen Hinweis auf eine Namensänderung nach dem zweiten Weltkrieg. Das Vorkriegsregister ist 1943 verbrannt.
Es darf angenommen werden, dass der Name Liebfrauenkirche aus vor-reformatorischer Zeit stammt, da auch noch heute die Verehrung der Marien (lieben Frauen) bei den Katholiken praktiziert wird. Als Teil des Gudingo, mit der Mutterkirche in Elze, gehörte Sehlde einst zum Bistum Hildesheim.
Der Sehlder Abendmahls-Kelch aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts1 trägt die Aufschrift
“SC. Johans“; ein Beleg dafür, dass die Kirche nach der Reformation Johannes dem Täufer geweiht wurde.

Die Sehlder Kirche ist seit dem 1.4.1994 Teil der Kirchengemeinde Mehle-Sehlde.

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2. Außenansicht

Bild 1 - Liebfrauenkirche - Ansicht von Nord-Ost - 2015

Bild 1: Ansicht von Nord-Ost mit Friedhof und der Friedhofsmauer aus großen Bruchsteinen.
Ein Stein an der Ostseite der Mauer trägt die Buchstaben BB – HH und die Jahreszahl 1676.

Bild 2 - Liebfrauenkirche - Südseite der Kirche - 2015

Bild 2: Südseite der Kirche mit Friedhof und Ehrenmal.
Links neben der Kirche ist die ehemalige Schule teilweise zu sehen.

Die ältesten Hinweise stammen aus dem 12. Jahrhundert. Der Turm, im Westen, ist der ältere Teil der Kirche. Schießscharten zeigen an, dass der Turm einst auch als Wehrturm genutzt wurde. Die Dorfbevölkerung könnte dort, bei Überfällen marodierender fremder Heere o.ä., Zuflucht gesucht haben. Der Innenraum ist allerdings begrenzt. Ursprung könnte deshalb auch ein nicht brennbarer Wohn-/Wehrturm sein, der den herrschenden Ritter vor Übergriffen der Dorfbevölkerung schützte.
Dieser Verteidigungszweck kann dazu geführt haben, dass der Kirchturm -und das nicht nur in Sehlde- bis in die Gegenwart von den politischen Gemeinden mitunterhalten wurde. Weiterhin könnte die Verpflichtung zur Unterstützung dadurch begründet sein, dass viele Schulen von den Kirchen gegründet, später dann aber vom Staat übernommen wurden.
Den Akten der Stadt Elze ist zu entnehmen, dass sie sich 1981 mit der Kirchengemeinde über einen Vergleich verständigt hat und somit jetzt allein die Kirchengemeinde für die Unterhaltung der Kirche zuständig ist.
Das einschiffige, aus Bruchsteinen erstellte gotische Kirchenschiff, stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert. Nach Osten ist das Kirchenschiff durch eine dreiseitige Apsis geschlossen, in der einst Fenster waren. Baupläne aus verschiedenen Jahrhunderten zeigen, dass Änderungen an Turm und Schiff geboten waren. Das heutige Aussehen (barocke Türen und Fenster, modifiziertes Dach etc.) bekam die Kirche im Wesentlichen mit dem Umbau 1770.

Bild 3 - Liebfrauenkirche - Zeichnungen von 1710 - Archiv der Kirchengemeinde Sehlde

Bild 3: Zeichnungen von 17102

Pläne, die Kirche zu restaurieren, gab es wohl mehrere. Ob die Kirche zu der Zeit tatsächlich so ausgesehen hat, bedarf weiterer Untersuchungen. In diesem Plan hat der Turm keine Schießscharten und das Kirchenschiff ist mit drei großen Fenstern neben der Tür gezeichnet. Die Apsis ist in dieser Außenansicht fensterlos und eine Turmglocke liegt außerhalb.

Bild 4 - Liebfrauenkirche - Zeichnungen von 1710 - Archiv der Kirchengemeinde Sehlde

Bild 4:2

In der Draufsicht sind allerdings in der Apsis deutlich Fenster zu erkennen, während der hier eingezeichnete Treppenanbau in der Seitenansicht nicht zu sehen ist. An der Nordseite sind zwei, an der Südseite drei Fenster gezeichnet. Altar und Kanzel stehen offensichtlich in der Apsis.

Bild 5 - Liebfrauenkirche - Zeichnungen von 1710 - Archiv der Kirchengemeinde Sehlde

Bild 5:

Bei Poppe2 befanden sich 1833 je zwei Fenster in der Nord- und Südwand, und keine Fenster in der Apsis. Der Altar steht vor der Apsis und (Holz-)Wände zu den Mauern trennen Kirchenschiff und Apsis. Der Turm hat auch hier nur einen Zugang von innen.

Bild 6 - Liebfrauenkirche - Zeichnungen von 1710 - Deckert Hermann

Bild 6:

Deckert1  veröffentlichte 1939 den undatierten nebenstehenden Grundriss. Da es einen textlichen Zusammenhang zum Umbau der Kirche 1770 gibt, könnte der Grundriss aus den Jahren stammen. Allerdings steht auch hier der Altar vor der Apsis.  An Nord- und Südseite sind je zwei Fenster; in der Apsis sind keine Hinweise auf Fenster. Der Turm hat einen Zugang von der Nordseite.

F.C. Poppe hat 1833 das gesamte Kirchengrundstück dokumentiert. Er hat alle Gräber eingezeichnet und durchnummeriert.  Am Zeichnungsrand stehen die Namen der Verstorbenen. Auch sind die Häuser zu sehen, die damals noch auf dem Friedhofsgrundstück standen. Die Kirche hat er in drei Ansichten gezeichnet (Vorderansicht, Seitenansicht, Draufsicht). Die Draufsicht (Bild 5) ist ein Schnitt unterhalb des Daches, so dass auch Altar, Taufstein und Gestühl (Bänke) gut zu erkennen sind. Auch Poppe hat in der Apsis keine Fenster gezeichnet.

Bild 7 - Liebfrauenkirche - Ausschnitt aus dem Plan von F. C. Poppe 1833 - Deckert Hermann

Bild 7: Ausschnitt aus dem Plan von Fr. Conr. Poppe2

Die Außenansichten von Turm und Schiff haben sich seit 1833 nur marginal geändert. Die Glocken wurden alle nach innen verlegt. Es wurde eine Uhr in den Turm eingebaut und der Pranger an der Süd-West-Seite des Turms, auf der Zeichnung als Kette mit Halseisen dargestellt, wurde abgeschafft.

Bild 8 - Liebfrauenkirche - Andere Zeichnung von F.C. Poppe 1833 - Deckert Hermann

Bild 8: Eine andere Zeichnung von F.C. Poppe aus dem Jahr 18332

Aus der jüngeren Geschichte sind u.a. folgende Außenarbeiten überliefert:2
1967 führte die Dachdeckerfirma Brinkmann aus Elze die Arbeiten am Kirchendach aus. Die Klempnerarbeiten übernahm die Firma Schlenker aus Eime. Im Jahr 1980 wurde das Dach der Kirche und des Kirchturmes neu eingedeckt und 1991 erfolgte eine Außensanierung der Kirche.

In einem Buch über die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Kreis Alfeld II, der ehemalige Kreis Gronau, Seite 205 ff1 findet man folgenden Text über die Außenansicht der Sehlder Kirche:

“Das Mauerwerk der Kirche ist verputzt, und zwar auf der Südseite des Schiffes mit Kalkputz, Anfang 19. Jh. (stellenweise erneuert), auf der Nord- und Ostseite sowie am Turm mit Kalkspritzputz Ende 19. Jh. Gesimse, Tür- und Fenstergewände sind Sandwerkstein.Der breitrechteckige Turm hat über den Schmalseiten Spitzgiebel mit gekehlten Ansatzprofilen. Im Glockengeschoss spitzbogige Schallöffnungen (Gewände überputzt); in den unteren Geschossen Lichtschlitze, nach Norden eine rechteckige, nachträglich gebrochene Tür.

Das Schiff ist gegen Osten dreiseitig geschlossen. Die Ecken sind mit Sand- und Kalksteinquadern besetzt, zum Teil überputzt. Sockelsims und Kranzgesims mit gotischer Hohlkehle. Flachbogige, hoch in der Wand sitzende Fenster; darunter in der westlichsten Achse der Nord- und Südseite jeweils eine ebenfalls flachbogige Tür. Eine rechteckige Tür auf der Ostseite.

Das Dach setzt oberhalb des steinernen Kranzgesimses mit einer Brettschräge an; über den Ostseiten ist es abgewalmt. Pfannendeckung. Das gleichfalls pfannengedeckte Quersatteldach des Turmes trägt einen achteckigen Dachreiter mit offener Laterne und spitz ausgezogenem Helm (mit Schiefer verkleidet und gedeckt).“

Bild 9 - Liebfrauenkirche - Sockelsims und Kranzstein

 Bild 9: Sockelsims

Bild 10 - Liebfrauenkirche - Sockelsims und Kranzstein

Bild 10: Kranzstein

Bild 11 - Liebfrauenkirche - Sockelsims und Kranzstein

Bild 11: Sockelsims an der Apsis

Sockelsims und Kranzstein haben eine gotische Hohlkehle. Bild 9 und 10 zeigen Sockelsims und Kranzstein an der Südseite der Kirche. An der Apsis (Bild 11) ist die Hohlkehle ebenfalls noch gut zu erkennen.

Die beiden Fenster in der Apsis waren einst zugemauert und so verputzt, so dass sie nicht mehr erkennbar waren. Erst bei der Außenrenovierung im Jahre 1991 wurden sie wieder entdeckt und soweit ausgearbeitet, dass die Umrahmungen vollständig zu sehen sind. Die mittleren Pfeiler beider Fenster sind heraus gebrochen, während das Maßwerk noch gut erhalten ist. In beiden Spitzbögen befinden sich gotische Ornamente.

Bild 12 - Liebfrauenkirche - Der Sturz des südlichen Fensters trägt die Inschrift ANNO DMI MCCCCLXXI

Bild 12: Der Sturz des südlichen Fensters trägt die Inschrift
ANNO DMI MCCCCLXXI (Im Jahre des Herrn 1471)

Bild 13 - Liebfrauenkirche - Fenster in der Nordseite der Apsis

Bild 13: Fenster in der Nordseite der Apsis.

Bild 14 - Liebfrauenkirche - Ornament in Form einer Fischblase im südlichen Fenstermaßwerk

Bild 14: Ornament in Form einer „Fischblase“ im südlichen Fenstermaßwerk

Bild 15 - Liebfrauenkirche - Ornament im nördlichen Fenstermaßwerk

Bild 15: Ornament im nördlichen Fenstermaßwerk

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3. Innenansicht

1939 wurde die Innenansicht der Sehlder Kirche folgendermaßen beschrieben:1

“Im Schiff über einem breiten Kranzgesims eine annähernd halbkreisförmige Tonne in Holzschalung. Decke und Wände sind geputzt und geweißt (letzte Ausmalung 1934/35 durch Kirchenmaler Gotta, Hannover). Der Fußboden ist mit Rotsandsteinplatten belegt. Mit der flach gedeckten Turmvorhalle ist das Schiff durch eine rechteckige Tür  (in ihrer jetzigen Form anscheinend von 1770) verbunden.“

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 3.1 Sanierung des Kircheninnenraumes

  • Die gewölbte Holzdecke (Tonnengewölbe) erhielt die Kirche mit dem Umbau 1770.
  • Im April 1897 fanden Reparaturarbeiten auf dem Chore (Altarraum) statt. Die beiden mit Inschriften versehenen Grabsteine wurden entfernt und zur Aufbewahrung in den Kirchturm gestellt. Es wurden notwendige Reparaturarbeiten an Mauerwerk und Gestühl (Bänke), am Fußboden und an den Priechen und Lichthaltern neben der Kanzel durchgeführt.
  • 1935 wurde die Sehlder Kirche neu ausgemalt.
  • 1961 erfolgte eine Renovierung, bei der der Innenraum neu gestrichen wurde.
  • 1969 wurde das Gestühl erneuert. Das Gestühl (Bänke) an den Seiten fiel weg. Im Mittelraum wurde das Gestühl so verbreitert, dass der Zugang von beiden Seiten möglich ist. Das linke und rechte Chorgestühl wurde entfernt und durch Stühle ersetzt. Auch die beiden Priechen unter den Treppen wurden entfernt. Der Fußboden im Altarraum (Chor) und in den Gängen wurde mit Kunststeinplatten belegt, unter dem Gestühl wurde gedielt.
  • Nach Weihnachten 2004 wurde die Kirche ausgeräumt, die Orgel ausgebaut und bei der Fa. Schmidt zwischengelagert. Von Januar bis Juli 2005 wurden Sanierungsmaßnahmen in der Kirche durchgeführt. Es wurden die Abdichtungen der Fenster ausgebessert bzw. teilweise erneuert. Die Sanierung des Tonnengewölbes wurde der Firma Lehmann aus Eschershausen übertragen, da diese schon häufig Arbeiten an denkmal-geschützten Kirchen vorgenommen hat. Der Deckenputz wurde abgeklopft und eine Reparatur der verfaulten Balken vorgenommen.  Das Tonnengewölbe wurde mit Strohmatten ausgekleidet und danach ein Spezialputz aufgetragen. Dieser ist vom Architekten der Denkmalpflege festgelegt worden. Die elektrischen Leitungen wurden neu verlegt, so dass die neu angeschafften Lampen an den alten Standorten installiert werden konnten. Auch die Empore und die Bänke wurden neu gestrichen.

Bild 16 - Liebfrauenkirche - Kirchenschiff mit Blick auf die Orgel

Bild 16: Kirchenschiff mit Blick auf die Orgel.
3 Reihen Gestühl, dazwischen 2 Durchgänge.

Bild 16 - Liebfrauenkirche - Kirchenschiff mit Blick auf die Orgel - 2015

Bild 17: Heutiger Blick auf die Orgel.
Gestühl nur mittig, mit Zugängen an den Außenwänden.

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3.2 Weihekreuze

Bei der Renovierung 2005 wurden an den Innenseiten der Kirche Weihekreuze entdeckt. Jeweils ein Kreuz an der Nord- und Südseite wurde freigelegt zur Erinnerung an den alten Brauch der vollzogenen Kirchenweihe. Die Weihekreuze (Bild 18 und 19) stammen aus dem 15. Jahrhundert.

In der Literatur findet man folgende Beschreibungen der Weihekreuze:3

“Zeichen für die vollzogene Weihe (crux signata) bei liturgischem Gerät, auf der Altarmensa an den vier Ecken und der Mitte oder als Zwölferzyklus an den Innenwänden von Kirchen. Letztere, zumeist gemalte oder stuckverzierte Kreuze bezeichnen die Stellen, die bei der Kirchenweihe durch den Bischof mit Chrisam gesalbt wurden. Die Zwölfzahl der Kreuze ist ein symbolischer Verweis auf die zwölf Apostel. Mitunter sind die Weihekreuze auch mit Aposteldarstellungen versehen, daher die Bezeichnung Apostelkreuze. I.d.R. entspringt im  Zentrum eines solchen Weihekreuzes ein Leuchterarm für eine Kerze, wovon der Name Apostelleuchter bzw. Weiheleuchter herrührt.“

Bild 18 - Liebfrauenkirche - Weihekreuz

Bild 18: Weihekreuz

Bild 19 - Liebfrauenkirche - Weihekreuz

 Bild 19: Weihekreuz

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4. Kanzelaltar

In vielen Kirchen sind Kanzel und Altar getrennt. Dabei ist der Altar mittig und die Kanzel oft seitlich in der Kirche platziert. Auch in der Sehlder Kirche waren wohl ursprünglich einmal Altar und Kanzel getrennt. Die Zusammenfügung zu dieser imposanten Einheit könnte 1820 oder aber schon 1770 (s. Bild 6) erfolgt sein. Mit einer Höhe von 6.84 m und einer Breite von 3,07 m ist dieser weiß und gold bemalte, aus Tanne und Linde bestehende Kanzelaltar, ein beeindruckender Blickfang. Fein gearbeitete Holzwände, mit Türen, die vom Kanzelaltar bis zu den Außenmauern reichen, trennen Kirchenschiff und Apsis.

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4.1 Altar

Deckert1 beschrieb 1939 den Altar wie folgt:

“a) Der ehemalige Altar bildet den obersten Teil der Gesamtanlage. Das alte Bildfeld, jetzt Kanzeltür, wird flankiert von gedrehten, blattumwundenen Säulen; rechts und links daneben sind die Figuren von Moses und Johannes dem Täufer angeordnet. Bekrönungsfigur der auferstehende Christus zwischen anbetenden Engeln. Akanthusanschwünge und –füllungen.

In der unteren Hälfte der Altarwand gehören zu dem alten Bestand Teile der Pilastersockel und zwei Akanthuskonsolen. Laut Eintragung im Kirchenbuch von 1710 („Anno 1710 ist ein neus Altar auffgeführett woran das alte Holz geblieben….“).

Bild 20 - Liebfrauenkirche - Der Kanzelaltar um 1924

 Bild 20: Der Kanzelaltar um 1924

Bild 21 - Liebfrauenkirche - Der Kanzelaltar um 2010

Bild 21: Der Kanzelaltar um 2010

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4.1.1 Altarbibelpult

Bild 22 - Liebfrauenkirche - Altarbibelpult

Bild 22: Altarbibelpult

Laut Deckert1 hat das Altarbibelpult eine Höhe von 17,3 cm, eine Breite von 43 cm und eine Tiefe von 30,5 cm. Es besteht aus Holz mit Eiche furniert und hat Einlegearbeiten aus Mahagoni, Nußbaum usw. Auf der Platte befindet sich eine Mittelrosette zwischen Eckstrahlenbündeln. Auf der Rückwand sind Fächer- und Sternornamente zu sehen. Es stammt aus dem 18/19 Jahrhundert.

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4.2 Kanzelkorb

Der Kanzelkorb veranlasste Deckert 1939 et al. zu folgender Beschreibung:1

“Fünfseitig mit geschweiftem Hängeboden. Die drei vorderen Wandlungsfelder zeigen Bilder der Evangelisten: S. Johannes, S. Lucas, S. Marcus in dunklen schmutzigen Farben (Öl auf Holz).

Darunter befindet sich eine ältere Bemalung, die jeweils zwei stark bewegte, spruchbandartige Gebilde, einen Blattkranz und darüber die folgenden Namen erkennen lässt: Ilsa P…ner (?) s(ein) e(heliche) H(ausfrau); Hans Schmedt A(nn)o 1606; Anna Schmedes säliger s(ein)e(heliche)H(ausfrau). Auch diese Malerei scheint jedoch nicht ursprünglich zu sein, da sie eine im Holzgrund erkennbare Arkadengliederung überschneidet, die vermutlich Einlegearbeit voraussetzt und in die 2. Hälfte des 16. Jh. gehören mag. Zugehörig zu dem Kanzelkorb in seiner heutigen Gestalt ist der Schalldeckel (ohne die Volutenkrone). 1. Viertel  18. Jh. (oder gleichzeitig mit c barockisierend erneuert?).“

Heute fügt sich der Kanzelkorb harmonisch in den in hellen Farben gehaltenen Kanzelaltar ein

Bild 23 - Liebfrauenkirche - Kanzelkorb

Bild 23: Kanzelkorb

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4.3 Mensa mit der Sakristei

Bild 24 - Liebfrauenkirche - AltarBild 24: Altar

Durch zwei Türen in  den Holztrennwänden (Scherwände) gelangt man hinter den Altar in die Sakristei. Die Außentür in der Mitte der Apsis ist noch vorhanden, allerdings ständig verschlossenen und gesichert. An beiden Trennwänden sind oben in goldener Schrift  Einsetzungsworte aufgetragen.

Bild 25 - Liebfrauenkirche - Einsetzungsworte über der linken Sakristeitür

Bild 25: Einsetzungsworte über der linken Sakristeitür.

UNSER HERR JESUS CHRISTUS IN DER NACHT DA ER VERRATEN WARD, NAHM ER DAS BROT; DANKTE UND BRACHS UND GAB ES SEINEN JUENGERN UND SPRACH NEHMET HIN UND ESSET, DAS IST MEIN LEIB, DER FUER EUCH GEGEBEN IST, SOLCHES TUT ZU MEINEM GEDAECHTNIS  DESGLEICHEN

Bild 26 - Liebfrauenkirche - Einsetzungsworte über der rechten Sakristeitür

Bild 26: Einsetzungsworte über der rechten Sakristeitür.

NAHM ER AUCH DEN KELCH NACH DEM ABENDMAHL, DANKTE UND GAB IHNEN DEN UND SPRACH: TRINKET ALLE DARAUS, DIESER KELCH IST DAS NEUE TESTAMENT IN MEINEM BLUT, DAS FÜR EUCH VERGOSSEN IST ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN, SOLCHES TUT, SO OFT IHRS TRINKET, ZU MEINEM GEDAECHNTNIS

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4.4 Abendmahlsbild

Im Jahre 2014 wurde von dem freiwilligen Kirchengeld das Abendmahlsbild renoviert, der Altarbereich gründlich gereinigt, sowie die goldenen Buchstaben der Einsetzungsworte in den Scherwänden nachgezeichnet, so dass die nachfolgenden Ausführungen1 nicht mehr aktuell sind:

“Das Abendmalsbild über der Mensa. H. 0,77 m; B. 0,755 m. Tempera auf Holz. Helle Farben: gelb, rot, blau, teilweise changierend. Ende 16. Jh.. Das Bild ist erst bei der letzten Restaurierung an die jetzige Stelle gekommen; vordem lagen die drei Bretter, aus denen es zusammengesetzt ist, einzeln hinter dem Altar. Risse und Fehlstellen sind gelegentlich der Zusammensetzung ausgebessert, am unteren Rand und in den oberen Ecken sind größere Stücke übermalt. Auf der Rückseite soll die Jahreszahl 1710 stehen (auf eine Wiederverwendung im damaligen Altar zu beziehen?).“

Bild 27 - Liebfrauenkirche - Das Abendmahlbild von 1710

Bild 27: Das Abendmahlbild von 1710

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5. Taufstein

In allen Kirchen, unabhängig von der Konfession, stehen Taufsteine, die im Stil ihrer Zeit angefertigt wurden. Vor der Reformation hatten die Taufsteine tiefe Becken, da der Täufling zu der Zeit ganz unter Wasser getaucht wurde. Auch in Sehlde gab es einen älteren Taufstein; achteckig, nach unten abgerundet, ohne Ornament, der Sockel abhanden gekommen, stand dieser Resttaufstein einst vor dem Küsterhaus. Der Verbleib ist ungeklärt.

1620 stiftete der  damalige Besitzer des Edelhofes, unterstützt von einigen Verwandten, unseren derzeitigen Taufstein, den Deckert1 1939 folgendermaßen beschrieb:

“Taufe, im Chor vor der mittleren Gestühlsreihe. H. 0,885 m; Durchmesser 0,585 m. Sandstein, bemalt (weiß, grauschwarz, gold). Sechseckigen Schaft. Sechseckig gebauchten Kessel mit steilen Wandungen und ausladendem Decksims. Auf den Schaftseiten Masken (RT. ca. 0.065 m); am Kessel eine 1620 datierte Stiftungsinschrift von Johan Stats Dr Rasshe Obrister Leutenamt (ausgesparte Kapitale), beiderseits acht Wappen mit den Familieninitialen, links: d. R(asche),  d. P(ost),  d. W. (ein hinter einem Baum hervorspringender Wolf),  d. H. (kegelförmiger Hut mit Krempe und gekreuzten Kinnbändern), rechts: d. v. I(lten), d. M(andelsloh),  d. v. M . (fälschlich für K = v. Kanne), d. R (auschenplatt); auf der der Stiftungsinschrift gegenüberliegenden Wandung ein Puttenkopf zwischen Tuchgehängen unter einer Muschel. Stellenweise bestoßen.“

Bild 28 - Liebfrauenkirche - Taufsteininschrift

Bild 28: Taufsteininschrift

Bild 29 - Liebfrauenkirche - Taufstein von 1620

Bild 29: Taufstein von 1620

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5.1 Taufschale

Im 15. Jahrhundert wurde das Zeremoniell der Taufe verändert. Die Täuflinge wurden nicht mehr untergetaucht, sondern es wurde nur noch ihr Kopf, wie auch heute noch, mit Wasser benetzt.

Die Taufbecken konnten also deutlich kleiner und flacher werden. Unsere heutige Taufschale besteht aus Zinn und hat einen Durchmesser von 31,5 cm.

Bild 30 - Liebfrauenkirche - Taufschale mit Taufkanne

Bild 30: Taufschale mit Taufkanne

Unter dem Boden befinden sich die Signaturen des Herstellers. Ein Stempel (Engel mit Schlüssel und Palmwedel in einer halbrunden Säulenarkade), im oberen Halbkreis der Name A. Besogm und die Jahreszahl 1799, unter dem Engel das Wort London. Die Schale wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angeschafft.

Weiterhin sind die Initialen HK A < < K < <- eingraviert, deren Bedeutung (noch) nicht entschlüsselt ist. 

Bild 31 - Liebfrauenkirche - Signaturen und Initialen an der Taufschalen-Unterseite

Bild 31: Signaturen und Initialen an der Taufschalen-Unterseite

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6. Empore

Zum Innenraum der Kirche gehört die umlaufende Empore aus Tannenholz aus dem 19. Jahrhundert. Sie befindet sich an der Süd-, West- und Nordseite.

Bild32-Kirchenempore-mit-Orgel-2005

Bild 32: Kirchenempore mit Orgel 2005

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7. Orgel

Im Jahre 1833 wurde durch freiwillige Gaben der Gemeinde für 500 Taler eine Orgel angeschafft. Nicht alle Kirchenmitglieder waren dafür. Sie waren, wie alte Quellen berichten, der Meinung, dass der Küster laut genug „vorblöken“ kann.

Die Orgel befindet sich auf der Westempore. Sie ist fünfachsig und steigt zur Mitte hin auf. Der Prospekt aus farblich angepasstem Tannenholz ist 4,04 m hoch und 3,57 m breit.

Nach rund 80 Jahren versagte diese Orgel ihren Dienst und musste erneuert werden. Am 10.09.1911 berichteten die Zeitungen erstmals über die defekte Orgel und bereits am 03.12.1911 konnte die neue Orgel in Betrieb genommen werden.

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Bild 33: Bericht zur Orgel aus Niedersächsische Post – 10.09.1911

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Bild 34: Bericht zur Orgel aus Niedersächsische Post – 19.11.1911

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Bild 35: Bericht zur Orgel aus Alfelder Zeitung – 02.12.1911

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Bild 36: Bericht zur Orgel aus Niedersächsische Post – 03.12.1911

Nachdem diese “neue“ Orgel rund 90 Jahre ihren Dienst getan hatte, wurde sie immer störungsanfälliger. An etlichen Stellen wurde Wurmbefall festgestellt, so dass eine neuerliche Restaurierung unumgänglich war. Das benötigte Geld für die Reparatur war im 21. Jahrhundert offensichtlich nicht mehr so leicht zu beschaffen wie 90 Jahre zuvor. So wurden erst andere Möglichkeiten diskutiert. Insbesondere ein transportabler elektronischer Orgelersatz, der ohne Organist auskam, wurde zeitweise favorisiert. Das damalige Kirchenvorstands-Mitglied, die in Sehlde geborene Bärbel Beet, geb. Dreyer und ihr Ehemann Michael starteten darauf hin eine Kampagne zur Rettung der alten Orgel, die letztendlich zum Erfolg führte.

Nach Abschluss der Orgel-Renovierung hat das Kirchenvorstandsmitglied Wolfram Bock von Wülfingen, unterstützt durch den Orgelbauer Martin Wurm die nachfolgende Übersicht erstellt:4

Der damalige Lehrer und Küster Johann Konrad Karl Meyer, der seit 1832 im Dienst war, wurde der erste Organist in Sehlde. Die Orgelbaufirma Eula aus Gottsbüren im Reinhardswald soll diese Orgel gebaut haben. Doch diese Orgel hatte kein langes Leben, so dass schon  1911 die Firma Faber & Grewe aus Salzhemmendorf eine neue mechanische Orgel in das Gehäuse der alten Eula-Orgel eingebaut hat.  Die Firma hatte 1902 ein neues Patent für Orgelbau erhalten, bei dem die Ansteuerung der einzelnen Register nicht mehr mechanisch über Winkel, Wippen und dünne Holzleisten, den sogenannten Abstrakten betätigt wurde, sondern pneumatisch, d.h. mit Luftdruck. Zusätzlich hat er noch die  Möglichkeit geschaffen, mit denselben Pfeifen mehrere Register zu bedienen. Auf Grund dieses komplizierten Steuerungssystems werden aus 7 Pfeifenreihen 21 Register angespielt, die auf zwei Manuale und 1 Pedal verteilt sind. Es wurde dadurch eine sogenannte „Pneumatische Multiplex-Orgel“ geschaffen. Von dieser Art sind nur wenige Exemplare gebaut worden, und soweit bekannt, ist unsere Sehlder Orgel die Einzige, die heute noch in Betrieb ist. Im Jahre 1954 wurde diese Orgel umgebaut und dabei von den 7 Pfeifenreihen 3 verändert, wobei die pneumatische Steuerung erhalten blieb. Das Orgelwerk besteht aus 476 Pfeifen in den Reihen:

Gedackt 16
Prinzipal 8
Hohlflöte 8
Salicional 8
Gambe 8‘ (seit 1954 Nachthorn 2
)
Aeoline 8(seit 1954 Quinte 1 1/3
Mixtur 3-fach (1954 erneuert)

Auf das Manuel 1 sind 10 Register positioniert, auf Manuel 2  8 Register und auf Pedal 4 Register.

In den 90er Jahren wurden Stimmen laut, das mit der Orgel etwas geschehen müsste. Sie wurde immer häufiger reparaturanfällig und im Jahre 2002 wurde ein erheblicher Wurmbefall festgestellt. Es lagen Kostenvoranschläge vor, deren Höhe für Sehlde nie realisierbar war. Im Jahre 2004 wurde eine Gemeindeversammlung einberufen, in der Michael Beet die Gemeinde davon überzeugte, dass die alten Pfeifenorgel erhalten und restauriert werden sollte, wobei er die Möglichkeit erwähnte, dass dies auch zu erträglichen Kosten möglich wäre. Seine inzwischen verstorbene Ehefrau Bärbel sammelte eifrig Spenden im Ort und erreichte, dass ein namhafter Betrag als Eigenanteil zu Stande kam. Eine Instandsetzung wurde aber erst nach  erfolgter Innenrenovierung genehmigt und konnte im Jahr 2005 durchgeführt werden. Die Orgel wurde dazu ausgebaut und bei der Orgelfirma Schmidt in Langenhagen eingelagert.  Am 27.6.2005 beschloss der Kirchenvorstand in einer außerordentlichen Sitzung, die Orgel nicht in unrepariertem Zustand wieder einbauen zu lassen. Da die Innenrenovierung deutlich unter den veranschlagten Kosten geblieben ist, konnten die ersparten und gesammelten Gelder für die Restaurierung genommen werden. Hiermit wurde die Orgelbauwerkstatt Martin Wurm in Neustadtgödens beauftragt. Die Instandsetzung wurde in den Jahren 2007/8 durchgeführt. Anfang Januar 2008 wurde dann noch der Luftbalg ausgebaut und ein neuer Windmotor beschafft. Die Luftansaugung wurde aus dem Turm in  das Kircheninnere verlegt, damit die Orgel nicht im Winter durch die kalte Luft verstimmt wird. Der Luftbalg wurde total erneuert, da das Leder inzwischen brüchig geworden war.  Der Spieltisch wurde total zerlegt und die Tastenbeläge des 1. Manuals vollständig erneuert, die des 2. Manuels ersetzt. Dann wurden nach und nach die Instand gesetzten Pfeifen zurück gebracht und eingebaut. Jede Pfeife wurde einzeln überprüft und auf reinen Klang gebracht. Danach wurden die Holzblöcke, die die einzelnen Register steuern, mit neuen Ledermembranen versehen und gegen Holzwurm behandelt. Dazu wurden hunderte von Holzwurmlöcher mit einer Injektionsspritze einzeln behandelt. Am 9. Mai wurde die Orgel vom Orgelrevisor abgenommen und am 25. Mai 2008 fand die offizielle Orgeleinweihung in der Kirche statt.

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Bild 37: Die reparierte Orgel 2008

Auch über diese Renovierung berichteten unsere Zeitungen. Die Artikel waren nun ausführlicher und sie wurden durch Bilder ergänzt.

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Bild 38: Bericht zur Orgel aus LDZ – 23.11.2006

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Bild 39: Bericht zur Orgel aus LDZ – 23.11.2006

Im Herbst 2015, nur 8 Jahre nach der letzten Restaurierung, wurde wieder Holzwurm-Befall festgestellt.

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8. Kronleuchter

In der Frühen Neuzeit, also vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, standen Glaube und Kirche im Mittelpunkt der dörflichen Gemeinschaft. Die Bindung an die Kirche war ungleich größer als heute. Für die Mitglieder der Kirchengemeinde war es geboten regelmäßig etwas zu spenden – jeweils nach den finanziellen Möglichkeiten. Neben Geld- waren auch Sachspenden üblich. Mit der Spende stiegen Ansehen und Einfluss des Spenders und durch eine Gravur o.ä. auf der Sachspende konnte er seinen Namen der Nachwelt überliefern.

So waren es häufig die einflussreichen Grundbesitzer, die mit Spenden und ihrer Tätigkeit als so genannte Altarleute -den heutigen Kirchenvorständen vergleichbar- die Geschicke ihrer Kirchengemeinde maßgeblich beeinflussten.

Der Sehlder Kronleuchter von 1648 ist solch eine Schenkung; von Deckert et al. wie folgt beschrieben:1

Hat eine Höhe von 0,83 m und einen Durchmesser von 0,93 m. Er besteht aus Messing und hat zwölf

Sförmig herabhängende gebogene sechskantige Arme mit Rankenschleifen über dem Mittelknoten in zwei Kränzen. Der Zwischenkranz mit geperlten Voluten ist teilweise beschädigt. Doppeladler; Kugel und darauf die Kapitale: „Zu dieser Kronen hatt Hans Palandt 12 Reichstaler in di Ehre Gottes gegeben alse ehrn Christoffer Blaneken u(nd) Barteldt Negenborn Berndt Brauns Alttarleute waren 1648“.

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Bild 40:  Kronleuchter von 1648 mit Inschrift

Ursprünglich waren Wachskerzen in den Haltern. Nach dezenten Umbauten erzeugen heute elektrische Leuchtkörper das Licht.

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Bild 41:  Der Kronleuchter inmitten der Kirche, bei einer Orgel-Vorführung 2012

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9. Opferstöcke

In der Kirche befinden sich derzeit drei Opferstöcke. Neben den beiden Ein-/Ausgangstüren (Nord- und Südseite) ist je ein neuerer Opferstock angebracht.

Bild-42-Opferstock-Aussenansicht

Bild 42: Opferstock – Aussen

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Bild 43: Innenansicht eines neueren Opferstocks

In dem Opferstock an der Südseite haben sich die Maler verewigt, die 1935 die Kirche ausgemalt haben. Handschriftlich ist dort vermerkt:

„Malermeister W. Rekate u. Keese haben die Kirche gemacht am 30.3.1935. Gehilfen Karl Rödel, August Schütte. Lehrling H. Lose“

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Bild 44: Opferstock am Treppenaufgang

Neben dem Aufgang zur Empore befindet sich ein wesentlich älterer Opferstock; in Rot und Grün lackiert und mit schmiedeeisernen Scharnieren versehen, trägt er die Inschrift

„ANNO 1674 DEN 4- JANVARII * “ (4. Januar 1674).

Der 6-strahlige Stern hinter dem Datum hat seinen Ursprung in dem Hexagramm (zwei ineinander verwobene gleichseitige Dreiecke), das als Davidstern oder Salomonsiegel bekannt ist (altes Testament). Anfangs ein Jüdisches Symbol wurde es später, insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, ein allgemeines Glaubenssymbol.

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Bild 45: Opferstock – Inschrift von 1674

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10. Heizung

Im Jahre 1895 wurde ein Ofen der Fa. Oskar Winter, Hannover vor dem Altarstand eingebaut, wobei das Ofenrohr hinter der Scherwand in die Sakristei führte. Es handelte sich um das Modell Germane Nr. 100 und kostete 180 Mark.

Bild-46-Innenansicht-aus-den-1950er-Jahren

Bild 46: Innenansicht aus den 1950er Jahren, mit Koks-Ofen links vor der Scherwand (Pfeil)

Dieser Koks-Ofen wurde im Jahre 1959 durch eine neue elektrische Heizung ersetzt. Die Kirche galt wegen ihres Steinfußbodens und der tiefen Lage des Gemeindeschiffes als fußkalt. Es kam also nur eine Heizung in Frage, die insbesondere den Fußraum erwärmte. Eingebaut wurden Umluft-Strahlungsheizkörper, die die Firma Paland, Eime angeboten hatte.  1960 wurde, ergänzend zu der bereits installierten Heizung, ein Wärmestrahler über der Verbindungstür vom Turm zur Kirche angebracht, da vom Turm ein kalter Luftzug in die Kirche gelangte.

Nach 1960 wurde kein Koks mehr im Turm gelagert, so dass dieser Raum als Leichenhalle genutzt werden konnte.

Im Rahmen der letzten großen Kircheninnenrenovierung im Jahr 2005 wurde die Heizung durch zusätzlich Heizkörper an den Seitenwänden ergänzt.2

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11. Glocken (In Bearbeitung)

Neben der Schlagglocke außen am Turmhelm befanden sich früher drei Glocken im Turm. Die älteste Glocke stammte aus dem Jahr 1499. Sie trug ein kleines Relief der das Christuskind tragenden heiligen Jungfrau Maria in der Glorie, auf einer Mondsichel stehend, und die folgende Umschrift in gotischen Minuskeln:

„O sancte (heilige) Maria ei (n)  Jvngfrvwe  clar  vn(d) schone bidde vor vns Jhesu(m) Christo dine(n) Benediden Sone  an(n)o d(omi)ni MCCCCXCIX Hermen Koster.“

Hinter dem Namen des Gießers befand sich ein Monogramm aus den Buchstaben H und C.1

Dabei könnte es sich um den Klang der Glocke gehandelt haben, der zwischen H und C lag.

Diese Glocke wurde nach der Reformation umgegossen. Grund dafür könnte die fehlende Marienverehrung bei den Protestanten sein. Auch hatten mit der Reformation die Spender die Möglichkeit sich auf der Glocke zu verewigen, so wie auf dem Taufstein und dem Kronleuchter.

Sie trägt jetzt folgende Inschrift:1

Ehr Christophvrvs Blaneke Pastor wahr im Jahr 1649. Den 4. August haben die Gemeine Sehle diese Glocke wieder vmmegießen lahsen bei Zeiten Zaccharias Lavwen vndt Bartold Negenborn vndt Berendt Bravns Altarlevte waren Aschanvs Kvnvtze v Hans Mvmmen v  Hierzu was gegeb Aeditvvs
Ersaie al*Z* Kompt lasset vns vff dem Berg des Herrn gehen zvm Havse Gottes mercket alle dravf Kompt zvr Kirche mit vollem Lavf
Lobet den Herrn ihn seinem Heiligtvm  Lobet ihn in der Feste seiner Macht  Lobet ihn in seinen Thaten  Lobet ihn mit seiner grossen Herrlichkeit *gos mich M*Henni Lampen in Hildesheimb*
Psalm *CC*

Bild-47-Umgegossene-Glocke-von-1649

Bild 47: Umgegossene Glocke von 1649. Diese Glocke ist auch heute noch im Einsatz

Die Schlagglocke außen am Turmhelm hatte einen Durchmesser von 470 mm. Am Hals befand sich die Inschrift:1

Anno 1675 gos mich M. Henni Lampen in Hildesheim alse Berendt Bruns undt Hans Heisen der Gemeinde in Sehlem Altahr Leute wahren.“

Im Jahr 1892 ist  die zweitgrößte Glocke durch Sturmschlagen beim Hobusschen Brande stark gerissen. Sie wurde am 30.11. 1893 neu gegossen mit folgender Aufschrift:2

Friede sei mit Euch
Eine feste Burg ist unser Gott
K – V:
G.BAUER
LEHRER
F. WINTER
H. VORNKAHL
H.BOSUM
L.
TIMMERMANN
GEGOSSEN VON I.I. RADLER UND SÖHNE IN HILDESHEIM 1893

Vor und nach dem Text befand sich ein Weihekreuz.

Im Jahre 1893 wurden alle drei Glocken in Sehlde versichert.

Die neu gegossene sowie die kleinere Glocke mussten 1917 abgegeben werden. Sie wurden am 21.2.1918 von der Fa. Radler und Söhne zum Kupferwerk nach Ilsenburg gesandt. Beide Glocken wurden zerschlagen. 2

Bild-48-Glocken-Juli-1917-Vor-Abtransport

Bild 48: Im Juli 1917 mussten diese beiden Glocken kriegsbedingt zum Einschmelzen abgegeben werden. Daraus sollten Kanonen gegossen werden.

Vor den Glocken steht der Kirchenvorstand (von links): Lehrer und Organist Adolf Poppe, Landwirt Conrad Flörke, der wahrscheinlich den Transport übernommen hat, Gutsbesitzer Carl Lauenstein, Pastor Georg Bauer, Bäckermeister Friedrich Vornkahl und Tischlermeister Heinrich Sievers.

Am 30.12.1918 erhielten die Sehlder die Nachricht, dass ihre Glocken zerschlagen und eingeschmolzen worden sind. 1919 wurde ein Kostenvoranschlag über zwei neue Bronze-Glocken angefordert, die mit der vorhandenen einen harmonischen Dreiklang erzeugen sollten. Aber erst 1933 waren die Geldmittel zur Beschaffung der Glocken vorhanden. Die beiden neuen Bronze-Glocken wogen jeweils 22 Zentner.

Bild-50-Glocke-II-von-1933

Bild 50:  Glocke II von 1933

Glocke I 2

hat am oberen Rande eine Eichenlaubverzierung. Darunter die Inschrift:

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.

Im langen Feld auf der einen Seite das Bild eines segnenden Christus und auf der anderen Seite die Kreuzigung.

Unten am Schlag stehen die Namen des Kirchenvorstands: Pastor Lillie – Elze, F. Vornkahl, A. Romel, K. Seebaum, M. Scheele, H. Weber, sowie Firma und Jahreszahl.

Glocke II 2

Hat am oberen Rande eine Efeuverzierung.

Im langen Felde steht:

Zur Schule ruf ich unsere Jugend
Zu lernen Christentum und Tugend
Und um der Kirchenandacht uns zu weihn
Lad ich mit meinen Schwestern ein

Unten steht wieder Firma und Jahreszahl.

Am 18.6.1942 wurden die 3 Bronzeglocken (die beiden 1933 gegossenen und die Schlagglocke) aus dem Sehlder Kirchturm abgenommen und nach Hamburg gebracht. Eine Glocke davon (Nr. II von 1933) ist zurückgekommen.

Somit hängen heute im Kirchturm die 1649 umgegossene Glocke aus dem Jahre 1499 und eine Glocke II von 1933.

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12. Kirchengemeinde

Sehlde und Eime einerseits sowie Mehle und Elze andererseits gehörten einst zu unterschiedlichen Fürstentümer / Königreichen. So lagen Sehlde und Eime im Amt Lauenstein während Mehle und Elze zum Amt Poppenburg gehörten. In dem Abscheidt vom 27.4.1543 besiegelte das Gericht in Lauenstein die Trennung der Orte Sehlde und Eime von der Mutterkirche Elze. Nun auch als Mutterkirchen geführt, teilten sich Sehlde und Eime später allerdings einen Pastor.

1979 wird die Verbindung mit der Kirchengemeinde Eime gelöst, aber erst am 1.4.1994 kommt es offiziell zum Zusammenschluss der Kirchengemeinde Sehlde und Mehle, wobei der Sitz des Pfarramtes in Mehle ist. Auch die Kirchengemeinde Esbeck ist seit diesem Zeitpunkt pfarramtlich mit der Kirchengemeinde Mehle-Sehlde verbunden. 2009 kam dann die Kirchengemeinde Wülfingen hinzu. Der demografische Wandel, der auch die Kirchengemeinden schrumpfen lässt, zwingt zu weiterer enger Zusammenarbeit.

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13. Quellen

Deckert, Hermann (Hrsg.) (1939): Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Band 26. Selbstverlag der Provinzialverwaltung Theodor Schulzes Buchhandlung, Hannover

Archiv der Kirchengemeinde Sehlde

Arbeitskreis für Inventarisation und Pflege des kirchlichen Kunstgutes (Hrsg)(2010): Lexikon für kirchliches Kunstgut, Verlag Schnell und Steiner

4 Bock von Wülfingen, Wolfram (2008): Zusammenstellung technischer und geschichtlicher Daten anlässlich der Orgelrenovierung.

5 Mithoff, H. Wilh. H.(1871): Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen. Erster Band: Fürstenthum Calenberg, Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover

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14. Verfasser

Der gesamte Bericht „Liebfrauenkirche zu Sehlde – St. Johanniskirche“ stammt von

  • Birgit Opitz
  • Friedrich Dreyer

aus dem Jahr 2015 und Erweiterungen in 2016.

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